Wicked Women Wednesday - Katherine Johnson, die Frau hinter der ersten Mondlandung

 

Hallo und willkommen zurück zu khamo! 

Nachdem wir uns vor zwei Wochen, durch ein Interview mit Gründerin Sabina Annette Khan, tiefere Einblicke zu khamodesign  verschafft haben, geht es heute wieder weiter mit unserem Wicked Women Wednesday! Hier möchten wir jeden zweiten Mittwoch eine starke Frau vorstellen, die die Konventionen ihrer Zeit durchbrochen und der Nachwelt ein Erbe hinterlassen hat. Wir wünschen uns dasselbe für khamodesign! Denn nicht nur einzelne Personen können ein Zeichen setzen, sondern auch eine Community! Khamo steht für Individualität, für gute Qualität und es bietet dir eine Möglichkeit, dich außerhalb von sozialen Medien mit anderen Menschen auszutauschen.

 

So, Wicked Women Wednesday! Wer richtig gerechnet hat, der weiß, dass es jetzt schon 33 Tage her ist, seitdem die letzte Dame in dieser Serie vorgestellt wurde. Und um's Rechnen wird es heute auch gehen. Ich weiß, ich weiß. Alle werden sich jetzt denken, dass sie eigentlich ganz froh sind, dass die Tage der Folter namens "Mathematikunterricht" hinter ihnen liegen. Es soll aber auch jene Menschen geben, deren Herz für Zahlen schlägt. Einer jener Menschen war wohl Katherine Johnson, eine Mathematikerin, wie es sie bis dato noch nicht gab.

 

 

Ein weiter kurzer Schulweg

Katherine Johnson wurde als jüngstes von vier Kindern in White Sulphur Springs geboren. Schon bevor sie die Schule besuchte, zeichnete sich bei ihr eine überdurchschnittlich hohe Intelligenz ab. Da sie bereits lesen konnte, wurde sie im Alter von sechs Jahren statt in die erste gleich in die zweite Schulstufe gesteckt. Auch berichtete Katherine, dass sie besessen vom Zählen war. Sie zählte einfach alles, die Schritte von ihrem Elternhaus zur Kirche oder die Anzahl der Teller, die sie abwusch.

Die fünfte Schulstufe übersprang sie wieder und kam daher schon mit zehn Jahren in die High School, allerdings nicht in White Sulphur Springs, sondern in einem anderen Teil West Virginias, 200 Kilometer von zuhause weg. Anfang des 20. Jahrhunderts herrschte noch Rassentrennung, und in Katherines Heimatstadt endeten die Schulen für Afroamerikaner nach der 8. Schulstufe. 

Da ihr Vater die Schule bereits nach der 6. Schulstufe abgebrochen hatte, war ihm die Bildung seiner Kinder sehr wichtig. Deshalb übersiedelten Katherine, ihre drei Geschwister und ihre Mutter jeden September in die Nähe der High School, welche so weit weg von ihrem eigentlichen zuhause war.

Aufgrund ihrer großen mathematischen Begabung wechselte Katherine schon mit 14 Jahren an das West Virginia College, wofür sie ein Stipendium bekam. Sie studierte Mathematik und Französisch in den Hauptfächern und belegte als einzige Studentin Analytische Geometrie. Sie verließ das College mit 18 Jahren, zwei Auszeichnungen und einem Bachelor of Science.

 

 

Ihr Start bei der NASA

Nach ihrem Studium nahm sie eine Stelle als Mathematiklehrerin an. 1939 wurde sie als eine der ersten drei schwarzen Studenten, und als erste schwarze Frau überhaupt, für ein post Graduation Programm für Mathematik an der West Virginia University ausgewählt. Kurz darauf gab sie das Studium allerdings wieder auf, da sie mit ihrer ersten Tochter schwanger war, und zusammen mit ihrem Mann, James Goble, eine Familie gründen wollte.

Nach dem Tod ihres Mannes 1956 heiratete sie drei Jahre später James Johnson.

Ihre Zeit bei der NASA begann allerdings schon 1953, in diesem Jahr begann sie in der "National Advisory Committee for Aeronautics (NACA) West Area Computing", zu arbeiten

Dies war eine Gruppe Afroamerikanischer Frauen, die für Mindestlöhne komplizierte mathematische Kalkulationen aufstellten, welche die Programmierer des US. Space Programms benötigten. Nach zwei Wochen wurde sie bereits einem Departement der Flugforschung zugewiesen. Vier Jahre später erkrankte ihr erster Mann an Krebs und sie beendete ihre Arbeit bei der NACA.

1957 allerdings nahm sie ihre Arbeit wieder auf, brachte zusammen mit einem Kollegen ein Kompendium über Technologie im All heraus und landete schließlich in dem "Mercury" Projekt der NASA, infolgedessen die ersten bemannten Flüge ins All in der Geschichte Amerikas unternommen wurden.

 

 

Von der Erdumlaufbahn...

Die dreifache Erdumrundung des Astronauten John Glenn im Jahr 1962 bedeutete einen Wendepunkt in dem amerikanisch-russischen Kampf um die Vorherrschaft im All.

Katherine Johnson spielte in diesem Kopf-an-Kopf-Rennen eine große Rolle, denn sie war es, die die Formeln aufstellte, die benötigt wurden, um den Austronauten sicher in die Erdumlaufbahn und wieder zurück auf die Erde zu holen.

Zwar wurden die Ergebnisse zuvor von einem Computer ausgerechnet, doch diese lieferten in den Sechzigern noch nicht die fehlerlosen Lösungen der Formeln, die benötigt wurden, um einen sicheren Ablauf der Operation zu ermöglichen.

So kam es, dass John Glenn sich weigerte den Sprung nach Außen zu wagen, ohne die vom Computer errechneten Ergebnisse noch einmal von Johnson überprüfen zu lassen. 

"If she says they're good, then I'm ready to go", soll John Glenn zu Johnson gesagt haben. 

(z. dt. "Wenn sie sagt, dass sie gut sind, bin ich bereit zu gehen.")

 

 

...zum Mond

John F. Kennedy wollte den Vorsprung Amerikas in Sachen Raumfahrt gegenüber Russland noch weiter ausbauen, und so kam es, dass er anordnete, noch vor Beginn des nächsten Jahrzehnts eine Raumfahrt zum Mond zu unternehmen, ungeachtet der Tatsache, dass die NASA zu diesem Zeitpunkt noch weit davon entfernt war, auch nur an diese Möglichkeit zu denken. Wieder sollte Katherine Johnson eine wichtige Rolle spielen, denn diese Unternehmung verlangte nach noch exakteren und schwierigeren Formeln und Gleichungen, als die Vorhergegangene.

Sie arbeitete mit einem großen Team an dieser wahren Mammutaufgabe, und ihre Bemühungen trugen Früchte. Am 21. Juli 1969 sprach Neil Armstrong die Wohl bekanntesten Worte des 20. Jahrhunderts: "Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Schritt für die Menschheit."

 

Johnson blieb der NASA bis zu ihrer Pensionierung 1986 erhalten. 75 Jahre nach ihrem Abbruch am West Virginia College erhielt sie ein Ehrendoktorat, 2015 kam sie noch einmal zu Ehren, als sie von dem damaligen Präsident der USA, Barrack Obama, die Freiheitsmedaille des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika überreicht bekam.

Am 26. August 2019 wird Katherine Johnson ihren 101. Geburtstag feiern und wir hoffen, dass noch weitere folgen werden. Denn ganz ehrlich, diese Dame kann uns nicht lange genug erhalten bleiben. Anders als Amelia Earhart und Artemesia Gentileschi, unseren beiden ersten Wicked Women, musste Katherine Johnson an mehreren Fronten kämpfen. War bei den beiden zuerst Genannten "nur" ihr Geschlecht das Problem, so kam bei Johnson auch noch der im 20. Jahrhundert nicht unwichtige Fakt ihrer Hautfarbe noch hinzu. Als dunkelhäutige Frau in einem von Männern dominierten Umfeld derart aufzusteigen und eine so große Rolle in der Geschichte der Raumfahrt zu spielen, erfordert sehr sehr sehr viel Mut, Witz und Ausdauer.

Zu diesen Eigenschaften möchte auch khamo euch ermutigen. Seid mutig, gewitzt und habt Ausdauer! Gebt nicht auf! Und lasst euch von äußeren Umständen nicht an der Verwirklichung eurer Träume hindern!

 

 

 

P.S. 

2016 wurde neben Katherine Johnson auch Dorothy Vaughan und Mary Jackson, ebenfalls zwei afroamerikanische Mathematikerinnen bei der NASA, filmisch ein Denkmal gesetzt. 

"Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen" basiert auf dem gleichnamigen Sachbuch von Margot Lee Shetterly und erzählt die Geschichte der drei Frauen. Der Film von Theodore Melfi wurde bei der Oscarverleihung 2017 in drei Kategorien nominiert, unter anderem auch in der Königsdisziplin "Bester Film".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

https://www.nasa.gov/content/katherine-johnson-biography

http://mentalfloss.com/article/555114/facts-about-katherine-johnson-nasa

https://www.achgut.com/artikel/50_jahre_mondlandung_katherine_griff_nach_den_sternen_

https://www.britannica.com/biography/Katherine-Johnson-mathematician

https://de.wikipedia.org/wiki/Hidden_Figures_%E2%80%93_Unerkannte_Heldinnen

Eingangsbild von Gerd Altmann auf Pixabay

 

Der Artikel wurde geschrieben von Julia Köttritsch, einer Kostümdesign Studentin der HAW Hamburg. Sie ist für den Blog von khamodesign zuständig und bringt euch sowohl in regelmäßigen Abständen starke Frauen im Wicked Women Wednesday näher, als dass sie auch über die Neuigkeiten von khamodesign berichtet.