Interview mit khamo - Gründerin Sabina Annette Khan

 

Hallo und willkommen zurück zu khamo!

Bis jetzt haben wir zusammen zwei Wicked Women betrachtet und uns mit der Frage auseinandergesetzt, was genau diese beiden Damen eigentlich mit khamo zu tun haben. 

 

(Diese Artikel können auf unserem Blog unter "Wicked Women Wednesday" nachgelesen werden.)

 

Damit wir aber auch erkennen, welche Philosophie hinter khamodesign steht, treffe ich mich mit der Gründerin, Sabina Annette Khan, selbst, um genau das heraus zu finden.

Wir treffen uns in einem Cafè in Ottensen, Hamburg, wo ich durch das folgende Interview einen kleinen Einblick hinter die Kulissen erhaschen kann.

 

 

Julia: Sabina, stell dich doch einmal kurz vor. Wer bist du und woher kommst du? 

Sabina:

Ich bin Sabina Annette Khan. Die Frage woher ich komme, ist sehr interessant (grinst). Meine Mutter ist Deutsche aus Berlin, mein Vater ist Inder, aus einer Fürstenfamilie. Der Name 'Khan' weist im Hinduistischen auf den Adel hin.

 Meine Eltern haben sich in London getroffen. Die wohlhabenden indischen Familien haben damals ihre Kinder nach Großbritannien zum Studieren geschickt. Meine Mutter ist, da es nach dem Krieg ja wenige deutsche Männer noch gab, ebenfalls nach England gegangen, hat dort studiert und ist dann auch  in London Lehrerin geworden. Mein Vater hatte mehrere indische Restaurants mit Livemusik in London. 

Ich und meine Schwester wurden dort geboren, dann sind wir aufgrund meines Großvaters väterlicherseits für zwei Jahre nach Indien gezogen. Er war ein berühmter Chirurg da und brauchte Unterstützung von seinem einzigen Sohn. Nach dieser Zeit wollten wir eigentlich zurück in unser Haus nach London, das hatten wir aber in der Zwischenzeit vermietet. 

Meine Großmutter mütterlicherseits, die in Hamburg wohnte, hatte sich noch um ihre eigene Mutter gekümmert und brauchte dann ebenfalls Unterstützung. Da wurde in ihrem Haus in Altona gerade eine Parterrewohnung frei, ja, und so sind wir dann erstmal hier stecken geblieben (lacht). 

Von da hab ich meine Wurzeln her, mittlerweile bin ich aber sozusagen eine reinrassige Hamburgerin geworden. 

Wir haben trotzdem jedes Jahr mindestens fünf bis sechs Wochen in London verbracht, auch um nach dem Haus zu sehen, wo wir uns ein, zwei Zimmer einbehalten hatten.

Den Sommer über waren wir also dort, und da meine Eltern eigentlich immer nur Englisch miteinander und mit uns gesprochen haben, ist London auch meine zweite Heimat. Ich kenne da wirklich fast jede Ecke.

 

 

Julia: Aber wenn du jetzt die Entscheidung treffen müsstest zwischen Hamburg und London?

Sabina:

Meine Eltern haben mich da auch vor die Wahl gestellt. Ich wollte ja Schauspiel studieren, zuerst habe ich aber hier in Hamburg Anglistik, Philosophie und Romanistik studiert. Mein Anglistik Professor, auch ein sehr bekannter Autor, Dietrich  Schwanitz , meinte dann aber zu uns Studenten: "Mensch, was macht ihr eigentlich in meinem Seminar? Ihr sollt auf die Bühne! Ist doch viel interessanter! Werdet Schauspieler! Was macht ihr hier eigentlich, seid nicht so trocken!" (Er gründete die "University Players" an der UNI Hamburg.)

Ich wollte sowieso Schauspiel studieren, ich hab ja an der Schule schon Theater gemacht. Meine Mutter hat mich auch in London jedes Wochenende mit in's Theater genommen. Sie meinte dann zu mir: "Sabina, wenn du Schauspielerin werden willst, dann wohn doch in unserem Haus in London, da musst du kein Geld bezahlen und studier doch da!" Ich hatte aber eine Liebe hier in Deutschland, wir kannten uns schon seit der Schulzeit. Wir waren unglaublich eng, deswegen blieb ich in Hamburg. 

 

 

Julia: Kommen wir zu deinem Label. Wie genau ist dir die Idee zu khamo gekommen?

Sabina:

Ich habe zwei Kinder bekommen, und die kamen so schnell hintereinander, sodass ich nicht mehr auf der Bühne stehen konnte. Ich habe nach meinem ersten Kind noch Schauspiel- und Sprechunterricht gegeben, dann kam das zweite Kind auch noch, das war dann wie Zwillinge, da musste ich erstmal aussetzen. 

Ich habe schon immer jeden Tag Tagebuch geführt, und zu der Zeit, als meine Kinder in der Grundschule waren und selber angefangen haben Musik- und Theaterunterricht zu nehmen, noch ausführlicher als sonst. Dabei habe ich bemerkt, dass ich sehr viele Smileys verwendet habe. Ein Smiley hier, ein Smiley da mit Haaren und allem. Ich schreibe immer mit der Hand, aber dann habe ich mir meine Computertastatur angeguckt und mir kam das @-Zeichen in den Sinn. Ich habe mich gefragt, ob ich aus einem Smiley und dem @-Zeichen ein neues Logo entwickeln kann. 

Ich habe bemerkt, dass ich in die Smileys immer noch selbst was mit eingebaut habe, meine eigene Idee, also nicht nur Punkt-Punkt-Strich, sondern noch einmal eine Umrandung oder eben eine Art @-Zeichen drum herum. Da dachte ich mir, Mensch, da kann man doch was  mit machen und dann, um drei, vier Uhr morgens, kam mir plötzlich dieses Bild in den Sinn, aus dem das jetzige khamo Logo hervorging.

Am nächsten Morgen habe ich dann einen Aushang gemacht, woraufhin sich sofort ein Grafik Student bei mir gemeldet hat. Mit ihm zusammen habe ich dann das endgültige Logo aus dem @- und dem Omegazeichen entwickelt. Der Name "khamo" ergab sich aus unseren Nachnamen, Khan und Moll. 

 

 

Julia: Welche Schwierigkeiten ergaben sich  während der Gründungszeit von khamo?

Sabina:

Der Student riet mir, mein Logo auf jeden Fall zum Patent anzumelden, beim deutschen Marken- und Patentamt, mit Wort-Bildmarken. Ich wollte das festsetzen, damit es nicht nur eine Spinnerei bleibt. Alle Leute, denen ich das gezeigt habe, fanden den Gedanken, der hinter dem Logo steckt, eine extrem gute Idee. Es hat eine Bedeutung in sich, eine philosophische Bedeutung, und darum ging es mir immer.

Das mit dem Patent war allerdings nicht so einfach, man kann auch abgelehnt werden und man muss aufpassen, wenn man gewisse Hoheitszeichen verwendet, so wie $, € oder eben Omega und @. Wir haben lange recherchiert und unseren Antrag in einer "Nacht-und-Nebel" Aktion noch eingereicht, der kam dann auch durch.

Leider gab es bei dem Studenten einen privaten Notfall, weshalb wir unsere Zusammenarbeit beenden mussten. Ich habe dann aber rasch einen neuen Grafiker gefunden und auch einen Vertriebler mit ins Boot geholt, mit dem ich den Shop auf DaWanda aufgemacht habe.

Mit dem neuen Grafiker habe ich die ersten Entwürfe gemacht. Mein Vertriebler hat mich dann an meine jetzige Grafikerin vermittelt, nachdem mein voriger Grafiker gesundheitliche Probleme bekam.

Eine weitere Herausforderung war, die passenden Textilien zu finden, auf die wir unsere Entwürfe drucken konnten. Uns war es sehr sehr wichtig, dass alles aus biologischer Baumwolle hergestellt wird, man muss checken, auf welche Größe was wie gedruckt werden kann. Das ist eine akribische Arbeit an riesigen Bildschirmen.

Ein Fotograf musste gefunden werden, und es hat sich alles mehr und mehr hingezogen.

Dann hat DaWanda die Website geschlossen, Gott sei Dank hatte ich schon vorher meinen Shop auf Etsy verlegt.

Auch die eigene Website war ein großer Brocken, aber es hat sich gelohnt. 

Eine weitere Schwierigkeit war, meine Familie und khamo unter einen Hut zu bringen. Zu allem Überfluss habe ich mir dann mein Handgelenk gebrochen, das hat dann das Voranschreiten auch noch einmal verzögert.

 

 

Julia: Worauf legst du bei deinem Label besonders großen Wert?

Sabina:

(Schweigt einige Sekunden nachdenklich)

Das ist eine interessante Frage. Als Erstes möchte ich natürlich, dass es etwas Besonderes ist, etwas Einzigartiges, immer etwas Individuelles. Durch das Individuelle soll man sich ausdrücken können, jeder für sich. Das "Sign Yourself" ist eigentlich die ganze Philosophie, die dahinter steht, wie ein Tattoo, das zeigt ja auch etwas vom Träger, nur dass man bei Kleidung die Oberfläche je nach Stimmung und täglicher Laune wechseln kann. Es geht mir darum, dass man sich auch untereinander erkennt, so nach dem Motto: "Hey! Du auch!", ohne jetzt einer "Gruppe" zugehörig zu sein.

 

 

Julia: Kommen wir noch einmal zurück zu deinem Theaterhintergrund. Durch die me-too Debatte haben sich einige Frauen unter der Regisseurin Karin Drechsel zusammengefunden, die Hamburger Theaterfrauen, welche sich in lockeren Abständen treffen. Ihnen geht es darum, als Frauen in der Theaterwelt Solidarität zu zeigen und gegen Missbrauch zu schützen. Welche Erfahrungen hast du schon in der Theaterwelt gemacht, auch bezüglich Belästigungen? 

 Sabina:

Gott sei Dank habe ich mich da immer heraus gerettet. Am Schauspielhaus Hamburg war es Usus, dass wir nach den Aufführungen in eine Kellerkneipe in der Langen Reihe gegangen sind, auch die Leute vom Thalia Theater. Alle sind durch das Adrenalin noch so aufgedreht, dass fast niemand direkt nach hause gegangen ist. 

Der Inspizient des Schauspielhauses mochte mich sehr gerne und meinte dann mal zu mir: "Du Sabina, guck mal! Da ist der und der Regisseur. Sprich doch mal mit ihm, vielleicht kriegst du dann eine Rolle!" Aber ich meinte nur: "Soll ich mich jetzt dem Mann auf den Schoß setzen?" Ich war vierundzwanzig und wollte mich nicht einem Fünzigjährigen auf den Schoß setzen, damit ich eine Rolle kriege!

Es gab Mädels, die das gemacht haben, aber ich habe mich da immer abgeseilt.

Mein Vater hat auch immer zu mir gesagt: "Sabina, du musst immer deine Würde und deinen Anstand behalten!". Deshalb empfand ich es auch immer unter meiner Würde, durch Flirten oder andere Sachen Rollen zu ergattern. Auch männliche Kollegen haben mir von ähnlichen Erfahrungen erzählt.

Später habe ich dann mit meinem damaligen Lebensgefährten, einem Regisseur, eine Freie Theatergruppe gegründet und da haben wir dann die Castings geleitet und uns auch um eine angenehme Arbeitssituation bemüht und eingesetzt. 

 

 

Julia: Eine deiner Töchter möchte gerne Sängerin werden. Welche Tipps und Ratschläge würdest du ihr geben?

Sabina:

Eine grundsolide Ausbildung! Das würde ich auch jedem Schauspieler oder Tänzer raten. Es gibt nur Wenige, die auch ohne eine Ausbildung groß rauskommen, das ist aber eher die Spitze des Eisberges. 

Wenn du mal keinen guten Tag hast, dann kann dich deine gelernte Technik retten, wie ein Netz den Seiltänzer. Außerdem wirst du viel ernster genommen, gerade von Profis oder an Theatern. 

Wenn sie jetzt Studiosängerin werden will, dann soll sie auch dafür eine Ausbildung machen. Lass dich an deine Grenzen führen, damit du weißt, wo sie liegen, und ob du sie überschreiten kannst. Das hast du zuhause im stillen Kämmerlein nicht. Verlass dich auf dein eigenes Können und Talent.

 

 

Julia: Was wünscht du dir für die nächsten Jahre für dich persönlich, für die Theaterwelt und für khamo?

Sabina:

Für mich persönlich? Da kann ich nur das sagen, was ich mir auch jedes Silvester wünsche fürs Neue Jahr! (lacht) Gesundheit, Glück in der Liebe, dass meine Kinder gesund sind... Ich gucke immer mehr in's  Hier und Jetzt.

Die Zeit vergeht so schnell, da komme ich gar nicht dazu, lange in die Zukunft zu schauen.

Für die Theaterwelt: Guckt euch Falk Richter an! Das ist einer der wenigen Menschen, die ich auf Facebook teile. Er ist ein wahnsinnig genialer Regisseur, politisch sehr engagiert, er ist einfach großartig, auch in seinen literarischen Werken. Solche Leute wie ihn bräuchten wir viel viel mehr.

Ansonsten eben einfach, dass mehr politische Werke auf die Bühne kommen.

Für khamodesign wünsche ich mir, dass sich sehr viele Leute unseren Blog anschauen, dass sie sich identifizieren können mit unseren Gedanken und der Philosophie, die dahinter steht, und natürlich dass sie gerne unsere Shirts kaufen. Was ich auch schön finde ist, dass diese Shirts auf Instragram oder Facebook einen Austausch bieten.

 

 

Julia: Hast du denn noch eine Lebensweisheit, die du unseren Lesern und Leserinnen zum Schluss mitteilen kannst?

Sabina:

(schweigt wieder für einige Sekunden)

Lebe im Hier und Jetzt in deiner Selbstbeobachtung. Das heißt, dass man sich nicht immer dauernd identifiziert mit seinen Gedanken, Gefühlen, auch nicht mit  seinem Körper, den haben wir auch nur für kurze Zeit. Wir sind Bewusstsein, finde ich, wir sind eigentlich auf die Welt gekommen, um unserer Selbst bewusst zu werden. Selbstbeobachtung finde ich sehr wichtig, dass man über seinen Gefühlen steht und dass man weiß, ich habe einen Körper, ich habe einen Verstand, aber das ist nicht alles, was ich bin. Du kannst ja deinen Körper mittlerweile so sehr verändern, sei es durch Diäten, Operationen, Makeup, etc.

Ich mag auch keinen Fanatismus, ich finde es besser, wenn man die Dinge spielerisch angeht und sich selbst nicht so ernst nimmt. Selbstironie ist ganz ganz wichtig. 

 

 

Julia: Danke Sabina für deine Zeit und das Gespräch. Es war sehr spannend, deine Geschichte und den Hintergrund zu khamo näher kennen zu lernen!

Sabina:

Ja, ich danke dir auch!

 

 

 

Das Interview wurde geführt von Julia Köttritsch, einer Kostümdesign Studentin der HAW Hamburg. Sie ist für den Blog von khamodesign zuständig und bringt euch sowohl in regelmäßigen Abständen starke Frauen im Wicked Women Wednesday näher, als dass sie auch über die Neuigkeiten von khamodesign berichtet.